Temperamentenlehre psychologie
Es sei denn, man erweitert oder spezifiziert seinen Begriff der Empirie. Pädagogen, die sich über ihre Wahrnehmungen an Kindern austauschen, kommen in einen »intersubjektiven Falsifikationsprozess«, auch wenn sie dabei ihr Subjekt nicht ausklammern. Was wäre auch eine Pädagogik ohne Subjekte? Liegt hier ein Forschungs- oder nur ein Kommunikationsdefizit vor?
Die »Materie« ist jedenfalls zu heikel und zu komplex, um schnelle Temperaments-Diagnosen im Elternabendformat anhand angepinnter Kinderbilder durchzuführen. Generell gilt er als eher gemütlich, gesellig und erträglich. Er isst gern und lässt den Dingen ihren Lauf. Allerdings schwanken seine Stimmungen auch, er ist anfällig für Stimmungstrübungen. Der psychisch kranke Pykniker ist manisch-depressiv, bei ihm wechseln sich Phasen extremer Energie und überstürzter Aktivität mit Phasen starker Depressionen und Niedergeschlagenheit ab.
Der Athletiker ist geprägt durch einen kräftigen, muskelbetonten und leicht untersetzten Körperbau. Er ist sportlich und hat eine gute körperliche Ausdauer. Der gesunde Athletiker ist barykinetisch. Er plant genau, gewissenhaft und gründlich. Wenn er etwas anfängt, beendet er es meistens auch. Er analysiert ein Problem theoretisch bis ins kleinste Detail, wodurch er sich bei Entscheidungen oft schwer tut und Angst vor Veränderungen hat.
Viele Erfinder und Wissenschaftler haben diesen eher eigenbrötlerischen Persönlichkeitstypus, da sie sich selten mit etwas Erreichtem zufrieden geben und ihnen nichts gut genug ist. Die Liebe ist die kleine Schwester des geliebten Lebens! Botho Strauss. Das ist die kleine Gefahr. Das ist auch eine Charakterisierung der vier Temperamente. Bei Michelangelo und Beethoven haben Sie eine Mischung von melancholischem und cholerischem Temperament.
Wir sollen nicht fragen: Was fehlt dem Kinde, was sollen wir ihm einprügeln? Und damit müssen wir rechnen. In der Regel werden wir eines finden, ein Interesse kann immer erregt werden; das Interesse für irgendeine Persönlichkeit, wenn das Kind auch noch so flatterhaft ist. Wenn wir die richtige Persönlichkeit nur sind, oder wenn wir ihm die richtige Persönlichkeit beigesellen können, so tritt das Interesse schon auf.
Nur auf dem Umwege der Liebe zu einer Persönlichkeit kann beim sanguinischen Kinde Interesse auftreten. Mehr als jedes andere Temperament braucht das sanguinische Kind Liebe zu einer Persönlichkeit. Liebe ist das Zauberwort. Wir müssen sehen, was da ist. Beim cholerischen Kinde gibt es auch einen Umweg, durch den die Entwicklung immer zu leiten ist.
Ist Liebe zur Persönlichkeit das Zaubermittel beim sanguinischen Kinde, so Achtung und Schätzung des Wertes einer Person das Zauberwort beim cholerischen Kinde. Ihm müssen besonders solche Gegenstände in den Weg geführt werden, die ihm Widerstand entgegensetzen. Widerstände, Schwierigkeiten müssen ihm in den Weg gelegt werden. Das melancholische Kind ist nicht leicht zu leiten.
Wir besitzen alle vier Grundzüge dieser Temperamente, doch sie fallen unterschiedlich stark ausgeprägt aus. So ist es auch kein Wunder, dass selbst Geschwisterkinder ganz unterschiedlich sind. Dank der Lehre der verschiedenen Temperamente können wir dies besser einordnen und so auch individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen.
Oft sind es zwei Temperamente, die besonders stark ausgeprägt sind. Wenn Sie diese kennen, können Sie Ihrem Kind den Rahmen geben, den es für seine Entwicklung braucht, es dabei fördern und unterstützen.