Psychologie kosten und nutzen bei staatlichen abgaben

Wie Jens Beckert und Mark Lutter zeigen konnten, sind Lotterien für untere soziale Schichten attraktiver, was dazu führt, dass Bezieher niedriger Einkommen wesentlich höhere Anteile ihres Einkommens zu den Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel beitragen als Menschen mit hohen Einkommen Abb. Lotterien stellen damit eine Form der regressiven Abgabenbelastung dar.

Mit 39 Prozent des Spieleinsatzes sind Lotterien besonders hoch mit Abgaben belastete wirtschaftliche Transaktionen, die erheblich zu den Einnahmen der Länderhaushalte beitragen. Insgesamt beziffern sich die jährlichen Staatseinnahmen aus Glücksspielen, deren Betreibung und Konzessionierung auf etwa 5 Milliarden Euro. Allein die Hälfte davon stammt aus dem Lottospiel.

Insgesamt erzielt der Staat circa 1,1 Prozent seiner Steuereinnahmen aus Glücksspielen. Lehrstuhlinhaber des Instituts für Wirtschaftstheorie und Finanzwissenschaft. Steffen Minter. Institut für Wirtschaftstheorie und Finanzwissenschaften, Albert-Ludwigs-Universität. Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Interesse melden. Literaturhinweise SpringerProfessional.

Das erste Prozent ist die ärmste, das Prozent die reichste Einkommensgruppe. Mit diesem Verfahren muss ein Paar ohne Kinder nur über etwa 70 Prozent des Einkommens eines Paares mit zwei kleinen Kindern verfügen, um statistisch zur selben Einkommensgruppe zu gehören. Die obere Linie zeigt die Abgaben , die die Haushalte der jeweiligen Einkommensgruppe durchschnittlich an staatliche Stellen zahlen müssen.

Unter den sonstigen Steuern sind die Grundsteuer, die Versicherungsteuer und die Kfz-Steuern zusammengefasst. Die untere Linie zeigt die Zahlungen , die die Haushalte der jeweiligen Einkommensgruppe durchschnittlich von staatlichen Stellen bekommen. Dazu gehören gesetzliche Renten, Pensionen, die Grundsicherung im Alter, Arbeitslosengeld I, Arbeitslosengeld II, Kindergeld, Elterngeld, Bafög, Wohngeld und sonstige Zahlungen.

Abgaben sind alle Zahlungen privater Haushalte an staatliche Stellen, zum Beispiel Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Nicht enthalten sind Unternehmensteuern, etwa die Gewerbesteuer und die Körperschaftsteuer auf Unternehmensgewinne. Die Grafik umfasst somit etwa 70 Prozent aller Steuern und Abgaben.

Die Steuern knüpfen an unterschiedliche Bemessungsgrundlagen an. Während sich die Höhe der Einkommensteuer und des Solidaritätszuschlags an der Höhe des Einkommens orientiert, berechnet sich die Höhe der sogenannten Verkehrs- und Verbrauchsteuern in der Regel auf Grundlage der Ausgaben. Mehrwertsteuer, Energiesteuern, Versicherungsteuer, Tabaksteuer, Alkoholsteuern sowie Wett- und Lotteriesteuer werden also auch von ärmeren Haushalten gezahlt, die von der Einkommensteuer befreit sind.

Weitere Steuern, die zwar nicht unbedingt proportional mit den Ausgaben steigen, aber dennoch am Konsum anknüpfen, sind die Grundsteuer die sowohl Mieter als auch Wohneigentümer zahlen und die Kfz-Steuer. Mit steigendem Einkommen fällt die Konsumquote und somit auch die prozentuale Belastung des Einkommens mit Verkehrs- und Verbrauchsteuern.

Der gesparte Teil des Einkommens wird nicht sofort belastet, sondern erst wenn die Ersparnis aufgelöst und konsumiert wird. Eine Besonderheit bildet das Bafög Abkürzung für Bundesausbildungsförderungsgesetz , das zur einen Hälfte als Sozialleistung und zur anderen Hälfte als Darlehen gewährt wird. Die Grafik bildet etwa 95 Prozent aller staatlichen Zahlungen an private Haushalte ab.

Es fehlen zum Beispiel die Geldleistungen der Kranken-, Pflege- und Unfallversicherungen. Die Studiengebühren enthalten alle Leistungen, die du im Rahmen deines Studiums in Anspruch nehmen kannst. Wenn du die Finanzierung deiner Studienzeit planst, solltest du neben den Studiengebühren mit dem Semesterbeitrag, Lernmaterialien und allen Lebenshaltungskosten kalkulieren.

Einige Studierende können sich bei der Finanzierung auf die Unterstützung ihrer Eltern verlassen. Machten diese Abgaben im Jahr noch 11,8 Prozent des BIP aus, stieg die Abgabenquote bis auf 19 Prozent. Erst seit Mitte der Nullerjahre hielt sie sich konstant unter 17 Prozent. Zusammengenommen ist die Belastung aus Steuern und Abgaben in Deutschland gerade für die Mittelschicht vergleichsweise hoch.

Sie liegt aber immer noch niedriger als in den Neunzigerjahren und in etwa auf dem Niveau von Eine Vereinfachung des deutschen Steuersystems wird seit Jahrzehnten gefordert. So sagte der CDU-Politiker Friedrich Merz , jeder Bürger müsse seine Einkommensteuer auf einem Bierdeckel ausrechnen können. Dabei handelt es sich jedoch um einen Mythos. Kaum umstritten ist hingegen, dass die Steuergesetzgebung an vielen Stellen logischer sein könnte.

Das wohl bekannteste Beispiel sind die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze von 7 und 19 Prozent. Durch sie kostet beispielsweise eine im Stehen am Imbiss verzehrte Bratwurst weniger als im Sitzen, Hausesel werden höher besteuert als Maulesel. Komplizierte Regelungen gibt es auch dazu, welche Kosten sich steuerlich absetzen lassen siehe Frage Bei einer repräsentativen Umfrage der Universität Erlangen-Nürnberg sagten 71 Prozent der befragten Arbeitnehmer denn auch, ihnen sei eine Vereinfachung des Steuerrechts wichtiger als Steuersenkungen.

Denn oft können sich nur Wohlhabendere und Unternehmen eine Beratung leisten und so alle Möglichkeiten zum Steuersparen ausschöpfen siehe Frage Die übrigen Bürger zahlen hingegen mehr. Die Vielzahl an Regeln liegt auch daran, dass Politiker immer wieder anfällig für die Forderungen von Interessensgruppen sind. Das zeigte etwa die FDP, auf deren Betreiben hin die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen gesenkt wurde.

Zuvor hatte der Hotelunternehmer August Baron von Finck der Partei mehr als eine Million Euro gespendet. Ein Grundproblem fast aller Reformbemühungen ist zudem, dass sie auch Verlierer produzieren. Entweder muss der Staat sich von liebgewonnen Einnahmen trennen siehe Frage 8 oder zumindest ein Teil der Steuerzahler zahlt plötzlich mehr.

Bekannt wurde ein Konzept des Verfassungsprofessors Paul Kirchhof für die Union, das ab einem Jahreseinkommen von Eine Flat Tax bei der Einkommensteuer würde einen bislang progressiven, also stetig ansteigenden, Tarif ersetzen. Dadurch sinkt die Steuerlast für Besserverdienende, was zu deutlichen Einnahmenverlusten führt.

Zugleich kann die Belastung von Geringverdienern steigen, deren Steuersatz bislang unter dem neuen Tarif lag. Kirchhofs Konzept scheiterte im Wahlkampf Ihm half dabei wenig, dass er auch möglichst alle Vergünstigungen und Ausnahmeregelungen im Steuerrecht streichen sollte. Umgesetzt wurde hingegen unter SPD-Finanzminister Peer Steinbrück die Abgeltungsteuer, eine prozentige Flat Tax auf Zinsen und Dividenden.

Kritiker sehen sie jedoch als Bevorzugung von Kapital gegenüber Arbeit und fordern seit Langem eine Rückkehr zur progressiven Besteuerung. In Deutschland werden Vermögen vergleichsweise behutsam besteuert - und zwar auf drei Wegen:. Zum einen müssen Privatpersonen auf Zinseinnahmen, Dividenden und Gewinne , die beim Verkauf von Aktien oder anderen Wertpapieren entstehen, die sogenannte Abgeltungsteuer von 25 Prozent zahlen.

Hinzu kommt noch der Solidaritätszuschlag. Die Steuer wird direkt von der Bank an den Fiskus abgeführt - sofern kein Freistellungsauftrag über den gesetzlichen Sparerpauschbetrag von Euro bei Verheirateten Euro gestellt wurde. Bis war das noch anders: Damals mussten Zinseinnahmen als Einkommen versteuert werden, wodurch der Steuersatz schon für Normalverdiener deutlich über 25 Prozent lag und bis zu 42 Prozent betragen konnte.

Die Abgeltungsteuer wurde unter anderem eingeführt, um Steuerflucht und Steuervermeidung zu verhindern. Mittlerweile wird die Abgeltungsteuer von vielen Seiten kritisiert, weil sie Kapitaleinkommen im Vergleich zu Arbeitseinkommen bevorzugt. Auch die zweite Steuer, die Vermögen betrifft, wird heftig diskutiert: Die Erbschaftsteuer wurde mehrmals reformiert, zuletzt im Jahr Grundsätzlich geht sie sehr schonend mit den Vermögen um - unter anderem durch hohe Freibeträge.

So müssen Ehe- und eingetragene Lebenspartner nur Erbschaften versteuern, die Für Kinder liegt der Freibetrag bei Besonders umstritten ist immer wieder der Umgang mit Firmenvermögen. Entsprechend sind die Einnahmen aus der Erbschaftsteuer vergleichsweise gering: Im Jahr lagen sie bei 6,9 Milliarden Euro. Die dritte Steuer auf Vermögen ist die Grundsteuer.

Sie wird von den jeweiligen Gemeinden auf das Eigentum an Grundstücken erhoben. Ihre Höhe unterscheidet sich stark und kann von der Gemeinde weitgehend selbst durch den sogenannten Hebesatz festgelegt werden. Die damalige Regierungskoalition aus Union und FDP setzte die Steuer jedoch aus, nachdem das Bundesverfassungsgericht sie in ihrer damaligen Form für verfassungswidrig erklärt und eine Neuregelung gefordert hatte.

Die Richter bemängelten damals, dass Immobilien im Vergleich zu anderem Vermögen zu niedrig besteuert würden. Immer wieder wurde seitdem über eine Wiedereinführung der Vermögensteuer diskutiert. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW könnte bei einer solchen Steuer in Höhe von einem Prozent dem Staat jährliche Einnahmen von 10 bis 20 Milliarden Euro bringen. Das deutsche Steuerrecht ist auch deshalb so kompliziert, weil es so viele Ausnahmen kennt.

Ob Handwerkerrechnung, Putzhilfe, der neue Laptop oder das Benzin für den Weg zur Arbeit - es lässt sich so vieles absetzen, dass Normalbürger schon mal den Überblick verlieren. Dabei gibt es für jede Ausnahme eine gute Begründung: Mal sollen vermeintliche Ungerechtigkeiten beseitigt oder benachteiligte Personengruppen unterstützt werden wie etwa bei der Pendlerpauschale.

Mal geht es der Politik um eine steuerliche Lenkungswirkung, zum Beispiel dann, wenn durch die Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen die Wirtschaft angekurbelt und Schwarzarbeit eingedämmt werden soll. Oder wenn durch Steuervorteile für Kinderbetreuung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert werden soll. Das Problem dabei ist: Nur wer sich gut auskennt, kann alle Absetzmöglichkeiten nutzen.

Wer schlechter informiert ist oder kein Geld für den Steuerberater hat, verpasst womöglich Steuersparmöglichkeiten. So entstehen neue Ungerechtigkeiten im System. Werbungskosten sind all jene Kosten, die zur "Erwerbung" von Einkommen anfallen - also alles, was man zum Arbeiten braucht. Dazu zählt etwa die Pendlerpauschale : Jeder Kilometer zwischen Wohnort und Arbeitsplatz verringert das zu versteuernde Einkommen um 30 Cent, allerdings nur auf dem Hinweg.

Auch Kosten für Büromaterial und Fachliteratur gehören dazu, ebenso Gewerkschaftsbeiträge. Unter bestimmten Umständen kann man auch das Arbeitszimmer zu Hause, eine Zweitwohnung oder die Arbeitskleidung als Werbungskosten absetzen - und noch einiges mehr. Werbungskosten mindern das zu versteuernde Einkommen. Wer zum Beispiel Wer Werbungskosten von weniger als Euro pro Jahr hat, muss sich nicht die Mühe machen, alle Belege einzureichen.

Bis zu dieser Grenze greift ein entsprechender Pausch al betrag. Auch mit Sonderausgaben lässt sich das zu versteuernde Einkommen reduzieren. Zu diesen Ausgaben zählen zum Beispiel Kosten für die Kinderbetreuung wie Kita-Gebühren, Unterhaltszahlungen oder Spenden. Auch sogenannte Vorsorgeaufwendungen gehören dazu, also etwa Kosten für die Kranken- und Pflegeversicherung.

Beiträge zur Rentenversicherung und zur Riester-Rente lassen sich bis zu bestimmten Höchstbeträgen ebenfalls absetzen. Darunter fallen Umstände im Privatleben, die dazu führen, dass der Steuerpflichtige mehr Geld zum Leben braucht als im Normalfall.