Psychologie fotos posten
Wer seinen Standort vertaggt, weil er gerade auf einer Tropeninsel am Strand sitzt und sein Glück kaum fassen kann: Bitte. Und auch wer geduldigere Freunde haben mag als mich: Dass man selbst ein gewisses Geltungsbedürfnis auslebt auf Kosten seiner Umwelt, sollte auch klar sein. Auch die kennt jeder: Menschen, die jedes Essen, das ihnen auf den Tisch kommt, erst einmal ausgiebig fotografieren und posten müssen.
Jeder Smoothie wird da geshootet, als gäbe es kein Morgen. Auch sehr beliebt: Menschen, die sich wahlweise nur mit extrem gesundem oder mit extrem kalorienhaltigen Essen ablichten lassen. Die einen, um zu zeigen: Schaut her, wie gesund und diszipliniert ich bin. Die anderen, um zu zeigen: Ich hab ne mega Figur, achte aber so absolut GARNICHT auf Kalorien. Letzteres eine sehr beliebte Verhaltensweise unter Models und extrem dünnen Menschen.
In beiden Fällen scheint der Essens-Posting-Freund seiner Umwelt etwas beweisen zu müssen. Auch das klingt nicht gerade nach einem entspannten Mitmenschen. Paare, die ihre Liebe ständig mit irgendwelchen Bilder oder Liebesbekundungen in den sozialen Netzwerken präsentieren müssen, haben ganz offensichtlich nicht verstanden, was Intimssphäre und Privatleben und was ein soziales Netzwerk ist.
Der typische Selfitis-Erkrankte ist ein Selbstdarsteller mit geringem Selbstbewusstsein. Diese Leute würden sich durch das permanente Posten der Fotos erhoffen, ihr soziales Ansehen anzukurbeln und sich als Teil einer Gruppe zu fühlen. Die Untersuchungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift «International Journal of Mental Health and Addiction» veröffentlicht.
Trotzdem sind sich in der Wissenschaft nicht alle einig über die angeblich reale Selfitis. Es gibt eine Tendenz, eine ganze Reihe von komplizierten und komplexen menschlichen Verhaltensweisen mit einem einzelnen Wort benennen zu wollen. Aber das ist gefährlich, denn es kann etwas Wirklichkeit werden lassen, das es eigentlich gar nicht gibt.
Leben Gesundheit Psychologie Warum Selfies zu posten ein psychisches Problem geworden ist? Die Gruppe der untersuchten Probanden sei zu klein, um die Resultate auf die Allgemeinheit übertragen zu können. Ob die Kriterien, nach denen man die Testpersonen analysiert hat, auch beim durchschnittlichen Instagram-Nutzer greifen, sei zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss.
Das Problem: Viele potenzielle Probanden wollten an der Untersuchung nicht teilnehmen , weil sie dazu ihren Instagram-Account freigeben hätten müssen. Die Studie ist nicht die erste, die sich dem Zusammenhang zwischen Social-Media-Daten und psychischer Gesundheit widmet. So haben frühere Untersuchungen bereits depressive Tendenzen auf Basis der täglich abgesetzten Zahl von Twitter-Beiträgen identifiziert.
Eine andere Analyse konnte anhand von Posts in sozialen Netzwerken mit prozentiger Treffsicherheit das Risiko postnataler Depressionen von schwangeren Frauen ausmachen. Abo Newsletter. Netzfundstücke Gewinnspiele Labelfinder GQ Gentleman. News Ticker Magazin Audio Account. Zur Merkliste hinzufügen Twitter Facebook E-Mail Messenger WhatsApp Link kopieren Weitere Optionen zum Teilen.
E-Mail Messenger WhatsApp Link kopieren. Likes für sich, aber nicht für andere Für ihre Untersuchung erhoben die Forscher Jung-Ah Lee und Yongkun Sung in einem ersten Schritt den Narzissmus-Grad der Teilnehmer. In einem zweiten Schritt befragten sie die Teilnehmer - alle hatten schon Selfies auf einer Social-Media-Plattform gepostet - dazu: Wie wichtig ihnen Feedback auf ihre Bilder ist.
Wie intensiv sie die Selfies anderer studieren und sich mit den Kommentaren und Likes dazu befassen. Und wie häufig sie Bilder anderer kommentieren und liken. So könnte eine Krankheit möglicherweise früher entdeckt und behandelt werden. Ein Problem ist allerdings der Datenschutz. Denn ohne die Zustimmung des Betroffenen darf man seine Profile nicht auswerten. BILD Gutscheine. BILD Vergleich.
Teilen Twittern Senden. Von: Julian Gutberlet.