Analytische psychologie pdf

Download Free PDF View PDF. Eine jungianische Interpretation. Symbole im kunsttherapeutischen Kontext. Das Mandala der Einwohnung Gottes: Interpretation eines nach einem mentalen Bild gemalten Symbols. Das Kamel: Krieg und Frieden in der Psyche. Zur Begriffsgeschichte der Synchronizität. Nietzsche's Philosophy of the Unconscious. Bürgerlichkeit und Antisemitismus. Kontinuitäten und Zäsuren in der Rezeption der Psychoanalyse.

Selbst und Welt bei C. Jung - Vortrag Wuppertal Seele und Forschung Ein Brückenschlag in der Psychotherapie Herausgeber G. I S B N Alle Rechte vorbehalten. Karger GmbH, Postfach, D Freiburg, und S. Sinnfindung ist ein Hauptanliegen in der Analytischen Psychotherapie nach C G. Ihr spezifisches Vorgehen ist auf Sinnzuordnungen ausge- richtet, um auf diese Weise Gesundung oder Besserung zu erreichen.

Ziel ist die Wiederherstellung einer Sinn machenden Ganzheit oder Integration. In diesem Kapitel wird gezeigt, warum Prozesse der Sinnfindung in der Analytischen Psychologie Jungs wichtig sind. Grundlegend ist die Annahme, dass der Mensch seine Natur beachten muss, wenn er gesund bleiben oder wieder werden will. Jung leitet diese Annahme aus seiner Entdeckung der biologischen Struktur der Seele ab, der spezifischen Grundmuster des Wahmehmens und Verhaltens, die er als Archetypen oder als kollektives Unbewusstes bezeichnet.

A u f dieser Grundstruktur basiere die Evolution des menschlichen Bewusstseins, dessen Sinnzuord- nungen in einem engen Zusammenhang mit Gesundheit stehen. Sinn ist eben nicht absolut, sondern subjektiv, abhängig von der jeweiligen Kultur, den gesellschaftlichen Problemen, Konventionen und Diskursen, den aktuellen Ereignissen und Auseinandersetzungen eines Menschen mit seinen individuellen lebensgeschichtlichen Erfahrungen sowie den biologisch vorgegebenen Wahmehmungs- und Verarbeitungs- modi der Psyche.

Diese Subjektivität ist zu akzeptieren und gleichzeitig ein Diskurs zwischen verschiedenen Denktraditionen aufrechtzuerhalten. In der Psychotherapie geht es bei diesem Diskurs der verschiedenen Welt- und Menschenbilder vor allem darum, ob der Mensch als Ganzes im Zent- rum steht oder nur seine Symptome. Ich möchte hier einen Beitrag zu diesem Diskurs aus der Sicht der Analytischen Psychologie G.

Jungs leisten. Zu diesem Zweck verbinde ich einige seiner Kemaussagen mit heutigen Entwicklungen. Die Verknüp- fung von Jungs Sicht mit Erkenntnissen der Neurobiologie, der Philoso- phie, der neuen Systemtheorie und der Salutogenese führt dabei zu einem Bild, das seinerseits wieder ein Sinnkonstrukt darstellt. Jung und andere Autorinnen kommen dabei möglichst selbst zu Wort, weil dies von wissen- schaftlichem Interesse ist.

Sinn und Sinnbegriff Was bedeutet Sinn in der Jung'schen Psychotherapie? Sinn ist in der Psy- chotherapie, zumindest der tiefenpsychologisch orientierten, ein zentraler Faktor. Freud eröffnete die fünfte seiner Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse mit folgender Reminiszenz: «Meine Damen und Her- ren! Eines Tages machte man die Entdeckung, dass die Leidenssymptome gewisser Nervöser einen Sinn haben.

Darauf wurde das psychoanalytische Heilverfahren begründet» [Freud, , S. Die inneren Auseinander- setzungen, die zum Bruch mit Adler und Jung führten, kreisten um den Sinninhalt, die Entdeckung der Bedeutung des Sirms als solche ist aber unumstritten [Holzhey, a, S. Wie unterscheidet sich Sinn inhalt- lich bei Freud und Jung?

Holzhey [a. Der sich in den Symptomen verbergende Sinn ist ernst zu nehmen, weil er einen bedeutsamen Teil der Selbstinterpretation des Neurotikers bildet. Jung dezidiert von Freud abgesetzt [a. Deshalb erübrigt sich in der Jung'schen Psychologie die Trennung von hermeneutischem und prak- tisch-normativem Sinnbegriff. Sinn ist sozusagen ein Konstrukt des Bewusstseins und darum notwendigerweise subjektiv.

Es gibt keinen unbewussten Sinn, sondern Entwicklungen, denen das Bewusstsein Sinn verleiht. Diese Einschränkung des Sinnbegriffs auf ein Phänomen des Bewusstseins ist eine erkenntnistheo- retische Notwendigkeit. Anders wäre der Sinnbegriff nicht handhabbar. Wenn es um Fragen nach dem eigenen Leben und Erleben geht, wird Sinn nicht nur kognitiv, sondem auch emotional erlebt.

Es stellt sich ein Aha- Erlebnis ein. So gesehen geht es bei der Suche nach Sinn, sei es in der Krankheit, bei inneren Entwicklungsschritten der Individuation oder bei Le- bensproblemen, nicht nur um Aufdeckung und Interpretation von lebensge- schichtlich Bestehendem und Zielen, sondem auch um heilende Emotionen. In der Therapie wird Sinn oder Sinnzuordnung als Empfinden von «Ganzheit» erlebt.

Sinn im therapeutischen Kontext ist ein Erlebnis von Ganzheit durch emotionale und kognitive Erkenntnis. Sinn verbindet Ver- stehen durch Denken mit Verstehen im Gefühl, umfasst Geist und Körper. Sinnsuche ist Suche nach der heilenden Emotion, dem heilenden Erlebnis [Schlegel, ]. Sinn w i r d v o m Bewusstsein herge- stellt, das, w i e Jung anmerkt, eine evolutionsbiologische Errungenschaft ist.

Jung nimmt an, dass sich das Bewusstsein aus dem Unbewussten, aus ar- chaischem, letztlich tierischem Erbe entwickelte, das in Darwin'scher T r a - dition als ein Selektionsvorteil zu verstehen ist. Infolge dieser Variabilität, welche stets noch andere Wege offen hält, ist überhaupt geistige Entwicklung beim homo sapiens möglich.

Der Nachteil aber ist, wenn man so will, dass die absolute und daram notgedmngenerwei- se als zuverlässig erscheinende Führung durch die Instinkte durch eine ab- norme Lernfähigkeit, die man auch bei den Anthropoiden antrifft, verdrängt wird. An Stelle der Instinktsicherheit tritt Unsicherheit und damit erscheint die Notwendigkeit eines erkennenden, bewertenden, wählenden und ent- scheidenden Bewusstseins.

Woher nehmen wir Sinn in letzter Linie? Die Formen unserer Sinngebung sind historische Kategorien, die in ein nebelhaf- tes Altertum hinaufreichen, worüber man sich gewöhnlich keine genügende Rechenschaft gibt. Die Sinngebung bedient sich gewisser sprachlicher Ma- trizen, die ihrerseits wieder von urtümlichen Bildem abstammen. Wir kön- nen diese Frage anfassen, wo wir wollen, überall geraten wir in die Sprach- und Motivgeschichte, die immer stracks in die primitive Wunderwelt zurück- fuhrt.

Es ging dabei um unter- schiedliche Assoziationen bei Gesunden und Kranken, also um eine frühe Form der Himforschung. So erstaunt es nicht, wenn er schreibt: «Eine der wichtigsten Errungenschaften der analytischen Psychologie ist ohne Zweifel die Erkenntnis der biologischen Struktur der Seele Michael Hagner [, S. Jahrhundert das Gehim zu einem Objekt geworden ist, das zugleich mit psychologischer und moralischer, kultureller und sozialer, ökonomischer und politischer Bedeutung aufgeladen wurde».

Nur so lässt sich verstehen, dass mehr als 80 Jahre später elf führende Neurowissenschaftler in einem gemeinsamen Manifest über Gegenwart und Zukunft der Himforschung fast wörtlich die gleiche Aussage gemacht haben [Elger et al. Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis der modernen Neurowissenschaften. Archetypen sind keine, wie oft fälschlicherweise ange- nommen wird, letzterklärenden, präexistenten Ideen, sondem mehrdimen- sionale psychische Systeme, die als spezifische Grundmuster des Wahr- nehmens und Verhaltens des Menschen beschrieben werden können.

Diese Stmkturen nannte ich Archetypen. Damit unterscheiden sich Jungs Archetypen prinzipiell vom Freud'schen Unbewussten, das eine Art Modell innerer Antriebe und Ver- drängungsmechanismen ist. Ver- schiedene sinnvolle Gesichtspunkte können sich widersprechen, und kol- lektive Erwartungen individuelle Sinnerfiilltheit verhindern. Dadurch ent- stehen im individuellen Bewusstsein Konflikte, die entweder gelöst oder verdrängt werden.

Verdrängte Konflikte können zu Neurosen führen. In der Jung'schen Krankheitstheorie entsteht Krankheit nicht zuletzt dadurch, dass sich das Ich so stark vom Unbewussten abschottet, dass es von dessen kreativen Prozessen nicht mehr erreicht werden kann. Symptome können aus dieser Sicht auch als unbewusste kreative Antworten auf Probleme verstanden werden, die erst entschlüsselt werden müssen, bevor gesunde, der aktuellen Situation angepasste, sinnvolle Lösungen gefunden werden können.

Aus diesem Grund ist ein Augenmerk der Jung'schen Psychothe- rapie darauf gerichtet, eine «Beziehung zwischen dem Ich und dem Unbe- wussten» herzustellen, so dass das Ich Zugang zu unbewussten Prozessen findet und so z. Träume und Fantasien auf ihren Sinngehalt hin prüfen und deuten kann. Das "Kontinuum" Main, , S. Das Geistige, das Spirituelle ist jenseits des Psychischen angesiedelt und entzieht sich deswegen der sinnlichen Erkenntnis, geht doch mit wachsender Feinstofflichkeit eine Schwächung der Wahrnehmbarkeit einher.

Denn schon psychische Eigenschaften lassen sich nicht mehr objektivieren, verändert ja die Psyche bei jeder Untersuchung das Bewusstsein und damit das zu "messende Objekt". Beim "Hauch", diesem metaphysischen Geist, ist eine solche objektive Bewertung unmöglich. Menschen, die geistige Erfahrungen gemacht haben, können deshalb darüber nur in metaphorischer Weise berichten.

Freud hingegen setzte Geistigkeit mit Intellektualität und Rationalität gleich, sie hat mit Spiritualität nichts zu tun, ja die Frage ist, ob er mit diesem Begriff überhaupt etwas anfangen konnte. In der gnostischen Mystik der Spätantike konnte er im Gegensatz zu Jung keinen Fortschritt an Geistigkeit erkennen.

Sie hat mit dem Wachstum unseres Geistes, mit dem Wachstum des Bewusstseins, des »Sich-selbst-erkennens« zu tun. Spiritualität bezeichnet also auch das Bemühen, das archetypisch geprägte Unbewusste so weit wie möglich ins Bewusstsein zu bringen; es ist die Suche nach dem, für was man im Leben bestimmt ist, das was Jung den Prozess der Individuation genannt hat.

Dieser Prozess führt zum Begriff des Selbst, der "Summe der bewussten und unbewussten Inhalte", die, wie das kollektive Unbewusste, über die Grenzen des Individuums hinausreichen. Der Begriff des Selbst stellt die Verbindung zwischen analytischer Psychologie und Spiritualität dar siehe Stein, , S. Spiritualität reicht über die einzelne Person hinaus, sie beinhaltet nicht nur die Auseinandersetzung mit den Problemen des eigenen Lebens, sondern umfasst die Verantwortung für das, was den Menschen an sich angeht.

Daraus folgt ein ethischer Imperativ, auf den wir später zurückkommen werden. Diese Vielschichtigkeit der Bedeutung Transzendenz, Individuation, Ethik von Spiritualität macht die Komplexität des Begriffes deutlich. Jedes Nachdenken, jedes konzeptuelle Denken darüber entfernt einen zwangsläufig von dieser Wirklichkeit. Es ist die "Erfahrung, wie die Welt wirklich ist" ebd. Mit »spirituell sein« beschreibt man, die Suche nach dem Sinn des eigenen Lebens, nach seiner Berufung, nach "höheren" Werten wie Bewusstsein, Liebe oder Gutsein.

Spiritualität bezeichnet nicht nur eine Geisteshaltung, sondern auch, wie wir uns in der Welt verhalten. Spiritualität hat ursächlich nichts mit einer religiösen Einstellung geschweige denn mit einer Zugehörigkeit zu einer Konfession zu tun. Spiritualität beinhaltet nicht ein vergeistigtes, zurückgezogenes Leben, vielmehr geht es darum, wie Joseph Campbell es ausgedrückt hat zitiert nach Ford, , S.

Eine solche Erfahrung der Ganzheit umfasst das Gewahrsein des eigenen Schattens, den wir in der Konstellation von Archetypen erfahren. Sie sind, wie Campbell sie genannt hat, "die Masken Gottes" und als solche Mittler zwischen Mensch und dem Göttlichen. Schattenarbeit wie Selbsterkenntnis — die Erkenntnis des eigenen göttlichen Bildes als "Chiffre für den Sinn des Ganzen unserer Existenz" Unterste, , S.

Schattenarbeit kann in diesem Sinn als ein spiritueller Akt angesehen werden. Das Empfinden, mich als Teil eines Ganzen wahrzunehmen, schafft das Mitgefühl für Andere, denn der ist ja Teil von mir selbst. Das ist die Geburtsstunde einer spirituell geprägten Ethik. Im letzten Drittel des Jahrhunderts sind zahlreiche Mythen über spirituelles Leben entstanden; es ginge um Erleuchtung, um die Überwindung von Anhaftung, des Egos und des eigenen Leidens, um ein Leben in »bliss« — in Seligkeit, ein Ausdruck, der gerade von den New-Agern begeistert aufgenommen wurde, jedoch mit den alten Traditionen etwa des Zen oder Sufismus wenig zu tun hat.

Die damit einhergegangene Hinwendung zu östlichen Traditionen hängt einmal damit zusammen, dass "das Exotische oft zugänglicher ist, weil wir unter seinen Lebensproblemen nicht leiden" Weizsäcker, , S. Nicht wenige der Apologeten einer Hinwendung an das Exotische haben sich dabei auf Jung selbst berufen, weshalb ihm gerade in den 60iger und 70iger Jahren die zweifelhafte Ehre eines New-age Gurus zuteil wurde; dieser Vorwurf ist ja mit der Veröffentlichung des »Roten Buches« von neuem erhoben worden.

Ich denke, all diese Zuschreibungen entstammen einer kritiklosen Übertragung östlichen Denkens auf unsere westliche Kultur, etwas vor dem Jung selbst immer wieder eindringlich gewarnt hatte. Die Form der Spiritualität weg von einer konfessionell geprägten Religion hin zu einer individuellen Suche wird als »Spiritual Turn« bezeichnet. Darüber hinaus untersucht der Spiritual Turn auch weniger populistische spirituelle Traditionen wie Zen oder Sufismus.

Er ist geprägt durch eine "Verlagerung des Heiligen in einen selbst", d. Der Spiritual Turn macht den Menschen unabhängig von religiösen Instanzen und erlaubt ihm eigenständige geistige Erfahrungen. Damit ist er geistig autonom und trägt die alleinige Verantwortung für das eigene Wachstum. Im Spiritual Turn kommt es zu einer Differenzierung der Begriffe von »religiös« und »spirituell« und damit ist mit dem Begriff der Spiritualität nicht mehr automatisch der Glauben an einen Gott verbunden, so wie das ja in einigen östlichen spirituellen Disziplinen verbreitet ist; in der Tat scheint der Ausdruck »spirituell« im ausgehenden Jahrhundert »religiös« ersetzt zu haben.

Wir erleben eine "Sakralisierung des Selbst" ebd. Wir werden weiter unten darauf noch ausführlich zurückkommen. Diese Vergöttlichung des Selbst brachte Jung in seinem Kommentar zum »Geheimnis der Goldenen Blüte« , S. Ich wirke nicht auf ihn, und er nicht auf mich. Es geht nicht nur um die Entwicklung des Ichbewusstseins, sondern um die "Heilung" unseres Geistes als Grundlage für ein sinnhaftes Leben.

Storr , S. Das Göttliche ist nicht mehr als Erfahrung eines transzendenten Objektes zu verstehen, sondern wird zu einer psychischen Erfahrung Dourley, , S. Dadurch wird die analytische Psychologie selbst zum Vehikel spiritueller Erfahrungen. Die Bedeutung dieses Paradigmenwechsels muss vor dem Hintergrund gewürdigt werden, dass in der Folge von verschiedenen Konzilen bereits im 9.

Jahrhundert in dem von Konstantinopel festgelegt wurde, dass der Seele zwar einige "geistige" Eigenschaften wie die des Verstandes zugesprochen wurde, direkte Gotteserfahrungen dem Menschen aber abgesprochen wurden. Sie waren verbannt in eine metaphysische Unerreichbarkeit womit der Mensch abhängig gemacht wurde von Vermittlern zwischen ihm und dem göttlichen Geist.

Dieses tausendjährige Dogma scheint sich mit Vatikan II langsam aufzulösen. Es liegt in der Natur der Sache, dass dieser Prozess zwar eine Richtung hat, er aber nie abgeschlossen sein wird. Die Natur ist Geist »in potentia« und durch Weisheit und das Streben nach Ganzheit hebt sich das Niveau des Bewusstseins; aus der Potentialität wird Wirklichkeit.

Die Individuation befreit uns von der Macht der Persona und dem damit verbundenen Einfluss unbewusster Bilder und Muster. In seinem Kundalini-Seminar interpretierte Jung die östliche Tradition als "Veranschaulichung des Individuationsprozesses" Mahaffey, , S. Das, was im Sanskrit mit »Kundalini« umschrieben wird, entspricht dem was "seit undenklichen Zeiten zum Erlangen einer höheren Bewusstseinsstufe eingesetzt" wurde Weizsäcker, , S.

Beiden Modellen, Kundalini-Yoga wie Individuationsprozess, ist der Drang nach Ganzheit des Individuums eigen, weshalb bisweilen die Tiefenpsychologie als das erste Aufflackern einer westlichen Form des Yoga bezeichnet wird vgl. Leslie Stein, , S. Beide Wege sind nichts für Zartbesaitete; "die Idee", schrieb Jung, "wir könnten uns sublimieren und völlig spirituell werden, ohne dass ein gekrümmtes Haar zurückbleibt, ist eine Inflation" Shamdasani, , S.

Denn bei der Konfrontation mit dem Unbewussten bricht die "ganze emotionale Welt", mit ihren Begierden und Leidenschaften, der Sexualität und dem Machtstreben, kurz "jeder Teufel unserer Natur" hervor ebd. Das Unbewusste, das sich in Träumen und Phantasien, in Leidenschaften und Emotionen sichtbar macht, ist der Lehrmeister. Er muss brennen, auch wenn er sich zum Narren macht.

Spiritualität stellt alle Konventionen unseres Lebens in Frage und damit letztendlich das Ego selbst bzw. Der Mensch muss sich ganz drangeben, denn nur aus seiner Integrität kann er weiter gehen, und nur seine Integrität kann ihm Gewähr dafür sein, dass sein Weg nicht zum absurden Theater wird. Als Kantianer folgte Jung der Auffassung, dass uns Moral und sittliches Handeln am Göttlichen teilhaben lassen.

Spiritualität verstanden als Suche nach dem Göttlichen erhält damit eine sittliche, eine ethische Dimension. Spricht man von Spiritualität wird deshalb automatisch ein »ethisches Leben« assoziiert. Woher kommt nun diese Verbindung und was genau ist darunter zu verstehen? Ethik und Spiritualität haben zunächst einmal nichts miteinander zu tun. Gott ist, wie Jung immer wieder in »Antwort auf Hiob« und in der Auseinandersetzung mit Victor White's Standpunkt, das Böse sei schlicht der Mangel an Gutem »privatio boni« , betont, jenseits moralischer Kategorien.

Aus Jungs Sicht ist die Entwicklung vom Unbewussten hin zum Bewusstsein eine ethische Kategorie. Sie ist für ihn ein Naturgesetz: vom Undifferenzierten über die Ausdifferenzierung der Gegensätze wird Bewusstsein erlangt. Dieser Prozess der Bewusstseinsbildung beinhaltet die "Verantwortung der Persönlichkeit für das eigene Unbewusste" Neumann, , S.

Das Kriterium ist Bewusstheit, unbewusstes Handeln ist böse siehe etwa Lammers, , S. Also werde ich vernünftigerweise zuerst einmal mich selber gerade richten. Dazu bedarf ich, weil Autorität mir nichts mehr sagt, eines Wissens und Erkennens, um auf die ewigen Tatsachen der menschlichen Seele mein Fundament zu gründen". Dabei wird die "Totalität der Persönlichkeit als Verantwortlichkeitsträger eingesetzt und nicht nur das Ich als Zentrum des Bewusstseins gesetzt" Neumann, , S.

Wenn sich der Einzelne als Teil der Gesellschaft versteht, dann wird nicht nur mein eigener Schatten, das persönliche Unbewusste als Teil der Menschheit verstanden, sondern umgekehrt hat auch das Bewusstmachen der eigenen Schattenaspekte Auswirkungen auf die der Menschheit, auf das kollektive Unbewusste. In dieser Form der Spiritualität scheint durch, was Jung im »Hiob« als die Verantwortung des Menschen für die Bewusstwerdung Gottes bezeichnet hat.

Das Numinose Der lutherische Religionswissenschaftler Rudolf Otto suchte nach einem Begriff, mit dem er das »Heilige« ohne die im westlichen Sprachgebrauch übliche Konnotation mit dem »Sittlichen« bzw. Reddemann und Stasing Jungs davon aus, dass wir es mit den inneren Begleitern mit einem Stück psychischer Realität zu tun haben, den inneren Begleiter also bereits in uns tragen, dass dieser sich in den entsprechenden Situationen 70 3.

Gleichzeitig warnt die Archetypenpsychologie auch vor einer einseitigen Idealisierung des inneren Begleiters oder Helfers. Archetypen sind, wie wir inzwischen wissen, immer bipolar aufgestellt, d. Jung beschrieb schon in seinem zum Bruch mit Freud führenden Grundsatzwerk »Wandlungen und Symbole der Libido« GW5 eine von der Psychoanalyse abweichende Theorie der Libido, nachdem er aber schon weitaus früher über das Phänomen der »psychischen Energie« spekulierte.

In seinem Aufsatz »Über die Energetik der Seele« Jung d, GW8 führt Jung diese Linie fort und reagiert auf Kritiker. Diese psychische Energie bezeichnet er auch als »Lebensenergie« Jung , GW8. Jung schreibt in unterschiedlichen Aufsätzen der psychischen Energie verschiedene Eigenschaften zu. Die psychische Energie hat auch einen quantitativen Aspekt und folgt dem Äquivalenzprinzip bleibt insgesamt immer gleich, trotz aller Verschiebungen.

Der Libidofluss ist dem Menschen inhärent. Die Spannung zwischen den Gegensätzen bestimmt den Energiefluss. Die Libido hat drängenden Charakter. Nicht zugelassene Energieströme, die ins Leben drängen, oder nicht stattfindende Verwandlungen der Libido haben einen pathogenen Faktor. Libido kann auch projiziert werden z.

In Komplexen ist psychische Energie gefangen, durch Arbeit am Schatten kann psychische Energie freigesetzt werden. Libido differenziert sich in zahlreiche Funktionen. Es gibt eine Wechselwirkung zwischen physischer und psychischer Energie. Der Analytischen Psychologie ist der Hypothesencharakter ihrer Konzepte durchaus bewusst.

Trotz dieser erkenntnistheoretischen Relativierung ist die Libidotheorie für die praktische Psychotherapie bisweilen von hohem heuristischen Wert, etwa wenn direkt erfahrbare energetische Themen wie der Antriebsverlust von depressiven Menschen verstanden und bearbeitet werden möchten. Das wird z. Auch der Hoffnungsaspekt, bereits häufig als zentraler Wirkfaktor psychotherapeutischen Handels nachgewiesen z.

Yalom , erfährt eine besondere Beachtung Kast Die vielleicht höchste Form gehobener Emotionen, die Liebe zu einem anderen Menschen — und um nur diese Form der Liebe soll es in den nächsten Zeilen quasi beispielhaft gehen —, v. Jung, da sind sich die meisten seiner Biographen wohl einig, zeitlebens keine einfache Sache.

Wie in eine therapeutische Beziehung, so kann man auch in eine Liebesbeziehung nicht eintreten mit dem Anliegen, durch diese nicht verändert zu werden. Gleichzeitig kann die Liebe des anderen auch eigene archetypische Identifikationen auslösen. Man sieht sich selbst in der Folge in überhöhter Art und Weise. Von überragender Bedeutung ist aber, sich dabei immer bewusst zu machen, dass sie die Göttin nicht wirklich ist, dass sie eben gerade ein Symbol ist und es irgendwann an der Zeit ist, diese Symbolisierungen wieder zurückzunehmen.

Gelingt dies nicht, sind tiefe Enttäuschungen vorprogrammiert oder der andere wird manipuliert, um ihn so lange wie möglich dem archetypischen Bild angenähert zu erleben. Animus-Sehnsucht als Grundlage von Liebesgefühlen meint die oft mit einem hohen Faszinationsgehalt ausgestattete Wahrnehmung, der andere habe all das, was einem selber fehlt, er sei quasi die notwendige zweite Hälfte, um eine vollständige Existenz leben zu können.

Es handelt sich aber um projektive Vorgänge, d. Im positiven Falle führt eine solche Liebesbeziehung aber zu einer Anregung durch den Partner, sich durch die Beziehung an die eigenen vermissten Anteile anzunähern. Jung stellte z. Auch hier mag eine Ganzheitssuche Pate stehen. Und auch hier kommt es, jungianisch betrachtet, existenziell darauf an, sich nicht auf der Kompensation durch den anderen auszuruhen.

In der wirklichen Liebensbeziehung, so könnte man zusammenfassend sagen, fördert der eine Partner den Individuationsprozess des anderen, trägt zu seiner Entwicklung bei. Im Gegensatz allerdings zur klassischen Psychoanalyse und auch den Entwicklungen der Kognitiven Verhaltenstherapien, die sich beide in guter alteuropäischer Geistestradition der — bisweilen auch heilenden — Wirkung des gesprochenen oder erkannten Wortes auf die menschliche Psyche sicher sind, vertraut die Analytische Psychologie dieser nur relativ und fordert dessen Anreicherung, ja zeitweise sogar dessen Ersatz durch das Bildhafte, v.

Das Bild wird als das Grundlegendere, Tiefersitzende und Ursprünglichere angesehen: »Das Denken in Bildern ist eine urtümliche Bewusstseinsform. Ehe die Menschen begannen, in Begriffen zu denken, erlebten und dachten sie ihre Welt in Bildern«, so die Münsteraner Analytikerin und Symbolforscherin Brigitte Dorst b, S. Das Unbewusste spricht in Bildern, sie stellen sozusagen das »Rohmaterial der unbewussten Seele« Jacobi , S.

Die besondere Eignung der Analytischen Psychologie zur Behandlung sog. Auch die besondere Verbindung zwischen Bild und Stimmung bzw. Affekt, die in der Analytischen Psychologie immer wieder hervorgehoben wird und v. Dies wird deutlich v. Die Nutzung der Archetypenpsychologie zum Verständnis künstlerischer Prozesse allgemein ist bis heute ein fruchtbares kulturpsychologisches Anwendungsgebiet der Analytischen Psychologie z.

Madden Die Kreativitätstheorie der Analytischen Psychologie weist diese als Ergebnis eines offenen und positiv-kompensatorischen Zugangs zu tieferen Schichten des Unbewussten aus und bildet dabei einen Gegenpol zur Abwehrtheorie Freuds. Die Archetypenpsychologie und die Symboltheorie Dorst b sind hier zwar an erster Stelle zu nennen, ebenfalls aber auch die grundlegende und von modernen philosophischen wie neurobiologischen Erkenntnissen gestützte Sichtweise Jungs, dass das Bild das primäre Ausdrucksorgan unserer Seele sei.

Jungs Bildauffassung steht in enger Beziehung zu seinem Symbolbegriff bzw. Eine besondere Weite erhält die Bildtheorie der Analytischen Psychologie dadurch, dass Jung den inneren Bildern, wie sie etwa in Träumen und Imaginationen auftreten, einen genuinen Wirklichkeitscharakter zuschreibt. Geht es auch um die Rückkehr zu sich selbst, zum eigentlichen Selbst, so entsteht eine deutliche Nähe zur Mystik.

Gleichzeitig ist die innere Welt aber eben auch von Fremdem bevölkert, ein zunächst eher verstörender Gedanke. Dies erinnert stark an den v. In die moderne geisteswissenschaftliche Diskussion eingebracht wurde der Terminus von dem französischen evangelischen Theologen und Philosophen Henry Corbin — , dessen Interesse zunächst einer Verbindung von Existenzialismus er war der erste Übersetzter von Heideggers Werk ins Französische und Gnosis galt.

Jung empfand in den Auseinandersetzungen mit Corbins Ideen »… eine ungewöhnliche Freude und eine höchst seltene, sogar einzigartige Erfahrung, ganz verstanden zu werden« Jung , Briefe Bd. Neben dem fachlichen Austausch gab es wohl auch private Kontakte zwischen den beiden Gelehrten. James Hillman zählt Corbin zu den »wegweisenden Figuren« in der Entwicklung der archetypischen Psychologie.

Unter anderem die Beschäftigung mit dem Wissen Corbins brachte Jung zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit Elementen der Gnostiker u Kap. Der mundus imaginalis ist der »intersubjektive Ort der Archetypen«. Er hat eine eigene Topographie, er ist die »Terra incognita«, das in uns liegende unbekannte Land, eine Welt, die von dem Religionswissenschafter Henri Corbin onotologisch als ebenso real wie die Welt des Verstandes oder der Sinne aufgefasst wird Corbin Genannt seien beispielhaft die Werke des Schweizer Künstlers Arnold Böcklin — Kunstwerke ergreifen uns, so erklärt die Analytische Psychologie als eine der Konsequenzen aus den dargestellten Theorien, weil sie archetypisches enthalten.

Der v. Jung beschrieb v. Der einflussreiche Berliner Jungianer Hans Dieckmann — teilte die psychologische Bildbetrachtung bzw. Einmal geht es, in klassisch-freudianischer Tradition, um die persönliche Biographie, v. Infolge einer erhöhten Durchlässigkeit der Bewusstseinsschwelle für die Inhalte des kollektiven Unbewussten können sie in den Raum einer bewussten Gestaltung kommen« Dieckmann , S.

Wie wir gesehen haben, geht die Klinische Psychologie Jungs davon aus, dass viele Patienten infolge eines schwächeren Ich-Komplexes oder, positiv gesehen, als Konsequenz einer gut ausgebildeten Transzendenten Funktion eine ebensolche Durchlässigkeit aufweisen, und archetypische Inhalte in den Bildern aufgefunden und genutzt werden können. Eine dritte, noch nicht von Dieckmann ausgearbeitete Ebene der Kunstbetrachtung ist diejenige der Analyse der »Beziehung zwischen dem Bild und dem Betrachter« oder besser »die Beziehung zwischen dem Künstler, dem Bild und dem Betrachter« Briendl , S.

Jungs eigene Bildproduktionen sind v. Die analytisch-psychologische Bildbetrachtung ist heute nach Jung vorwiegend mit dem Namen der Konstanzer Psychologin und Theologin Ingrid Riedel verbunden, die bereits eine an christlichen Bildern entwickelte »Methode der Bildinterpretation« Riedel , S. So nutzt sie etwa die Raumsymbolik von Oben-Unten-Zentrum-LinksRechts, das Bildformat Quer- oder Längsformat , die Linie, die Bewegung und die Farben in ihren symbolischen Bedeutungsgehalten Riedel beim Versuch der interpretativen Anschauung des Bildes.

Dabei bleibt sie aber trotz der teilweise sehr detaillierten Symbolkunde z. Riedel in ihrer Annäherung an das Bild ganz in jungiani81 3 Wissenschaftliche und therapietheoretische Grundlagen scher Manier: »Wie auch sonst bei einem Symbol wird es nicht darum gehen, das Bild völlig zu entschlüsseln, sondern vielmehr Türen zu ihm zu öffnen.

Es ist mit ihm wie bei jedem Symbol: Es behält einen Bedeutungsüberschuss gegenüber dem Gesagten und dem überhaupt Sagbaren« ebd. Ganz praktisch empfiehlt Briendl, durch Fragen einen Dialog mit dem Bild aufzunehmen Briendl , S. Was will ich wissen? Adams und zitiert William Blake: »Imagination is not a State; it is the Human Existence itself« S. Dabei wird, im Vergleich zur klassischen jungianischen symbolorientierten Betrachtung des Bildes, hier ein strikt phänomenologischer Zugang gewählt.

Es wird keine Bedeutung hinter dem Bild gesucht, sondern die Betrachtung bleibt streng beim Bild selbst. Das Bild wird nicht gedeutet. Einen Anschluss an moderne Konzepte des psychotherapeutischen Prozesses findet die jungianische Bilderpsychologie auch durch die Metaphernanalyse z. Buchholz , die auch als eine der adäquaten Formen analytischer Erkenntnisgewinnung etwa im wissenschaftlich-forscherischen Kontext gelten kann.

Die achtsame Wertschätzung der »Bilder der Seele« Johnson findet zwar v. Jung auf der Biennale in Venedig Im Jahr , auf der Biennale in Venedig, bekamen die Besucher im Zentralen Pavillon, direkt unter der Kuppel des Oktagons, eine ungewöhnliche Ausstellung zu sehen. Diese Zeit, kurz nach dem Bruch mit Freud, nach einer verstörenden Traumserie und die europäische Stimmung kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erspürend, war für Jung zutiefst verunsichernd und er startete seinen Selbstheilungsprozess quasi als experimentelles Erproben dessen, was er später die Aktive Imagination nannte.

Auch in der Kunstwelt wurde das Buch, v. Neben der Biennale veranstalteten international renommierte Museen wie etwa das New Yorker Rubin Museum of Art erfolgreiche Ausstellungen mit Jungs Rotem Buch im Zentrum. Die Bilder sind nicht wirklich einer Stilrichtung zuzuordnen, sie sind oft farbenprächtig und akri83 3 Wissenschaftliche und therapietheoretische Grundlagen bisch gestaltet, manchmal aber auch abstrakt und karg.

Mittelalterliche Miniaturen reihen sich an naive Malerei und dichte Symbolismen. Bisweilen stehen die Bilder für sich, oft ist der Text, der meist als Dialog mit inneren Figuren verfasst ist, auf die Bilder bezogen. Die Bilder sind, auch wenn dies bisweilen nicht so wirken mag, direkter Ausdruck unbewusster Prozesse. Auch das Todesthema hat in der Theorie der Analytischen Psychologie einen zentralen Stellenwert.

Überblickt man den analytischen Theoriekorpus, so sind folgende Teilkonzepte theoretisch und praktisch besonders relevant Vogel Die Individuationstheorie weist den Menschen als zielgerichtet sich entwickelnd anhand schicksalhaft bestimmter Lebensaufgaben aus u Kap. In der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen wird deutlich, dass sich diese Aufgaben quasi im Zeitraffer im Angesicht des Todes erneut stellen.

Die Auseinandersetzung mit den Individuationsaufgaben ist in dieser Hinsicht auch eine Sterbevorbereitung, das Leben wird, wie von Heidegger gefordert, ein »Sein zum Tode«. Gleichzeitig bietet die Todesnähe eine erneute und letzte Möglichkeit, sich seinen Lebensaufgaben zu stellen Vogel a. Die Archetypenlehre sieht den Tod als Archetyp mit all den Konsequenzen, etwa der Bipolarität und der Verankerung im kollektiven Unbewussten.

Im zentralen Archetyp des Selbst gibt es Bilder zeitloser Seelenschichten, die Trost spenden und Hoffnung vermitteln können, jenseits aller Gläubigkeit und Religionszugehörigkeit. So sind einige der psychotherapeutischen Methoden der Analytischen Psychologie, wie etwa die Arbeit mit Träumen und die Aktive Imagination, nicht nur im klinischen Kontext von Nutzen, sondern ermöglichen auch eine praktische Thanato-Tiefenpsychologie unabhängig von etwaigen, durch die Konfrontation mit dem Todesthema ausgelösten Symptomen.

Diese jungianischen Bausteine einer Thanato-Tiefenpsychologie bzw. Thanato-Psychoanalyse Vogel a leiten über auf das Gebiet der Religionspsychologie als wissenschaftliches Feld zwischen Angewandter Psychologie, Religionswissenschaften und z. Im Gegensatz zu Freud, der das Religiöse deutend und sublimierend aus dem Kanon seiner Psychologie ausschloss, machte sich Jung an eine Reintegration der Religion zumindest in die psychologische Wissenschaft Brumlik Er konzipierte allerdings durchaus »eine Erweiterung der Theorie des Selbst in die Kosmologie hinein« Stein , S.

Jung sah den Menschen als Wesen, das auf Sinn und Transzendenz ausgerichtet ist und das seelisch erkrankt, wenn dieser Ausrichtung nicht gefolgt wird. Zum einen stellte er in formaler Hinsicht fest, dass die Bilder zentraler Archetypen, wie etwa des Selbst, mit den Bildern, die sich die Menschen von Gott machen, oft identisch sind.

Emotional weist er den Archetypen einen numinosen, d. Das »Unendliche« finden wir nach Jung im Inneren des Menschen, in den Schichten des Unbewussten. So kommt es auch zu Parallelen zwischen psychologischen und spirituellen Aussagen. Jung sah die religiösen Erfahrungen als psychologisch zugänglich wie andere psychologische Erfahrungen auch.

Die Analytische Psychologie kann mit gutem Recht als eine derjenigen Psychologien betrachtet werden, die die Spiritualität die nicht mit der formalen Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft verwechselt werden darf des Menschen seit ihrer Entstehung anerkennt und als Ressource nutzt. Nichtsdestotrotz bleibt sie in gut psychoanalytischer Manier auch Religionskritik z.

Jung a, GW5. Die Affinität der Analytischen Psychologie zur Spiritualität wurde ihr im letzten Jahrhundert trotzdem immer wieder vorgeworfen, ihre angebliche Unwissenschaftlichkeit wurde damit belegt. Jungs Spiritualität ist Rückbindung an die Seele, Vertrauen auf die Seele, eine Kultur der Seele«, schreibt dazu Ingrid Riedel a, S. Daher gab es zur Kritik an Jung als Mystiker und Religionsstifter gleichzeitig auch immer Sichtweisen auf die Analytische Psychologie als nützliche Brückendisziplin zwischen Spiritualität und Psychoanalyse z.

Fromm Zum weiteren Studium: Dorst, B. Jung — Schriften zur Spiritualität. Ostfildern: Patmos Frick, E. Spirituelle Entdeckungen bei C. München: Kösel Palmer, M. Vielmehr befinden sich beide in enger Verzahnung, was durchaus modernen Forderungen innerhalb der wissenschaftlichen Diagnostikforschung entspricht vgl. Stieglitz und Freyberger Heydwolff Obwohl die Analytische Psychologie als klinische Psychologie quasi mit einem psychometrischen Verfahren, dem o.

Assoziationsexperiment u Kap. Dies leitet sich aus der in Kapitel 10 beschriebenen Erkenntnistheorie und den daraus folgenden strikt idiosynkratischen Grundlagen der Analytischen Psychologie ab. In neuerer Zeit werden innerhalb der Analytischen Psychologie, v. Davon abgesehen folgt die Diagnostik einem gesprächshermeneutischen Vorgehen, das versucht, innerhalb der ersten Sitzungen ein möglichst vollständiges Bild des Patienten entstehen zu lassen, ihn als gesamte Personen, zu der natürlich auch die Symptomatik gehört, kennenzulernen.

Hinzu kommt die diagnostische Wertung des Finalitätsgedankens u Kap. Neben der Schilderung von komplexhaften Situationen geht die Analytische Psychologie nämlich davon aus, dass die dominierenden Komplexe beider Beteiligter sich in der Begegnung aktualisieren. Die Diagnostik kümmert sich auch um die Passung zwischen Therapeut und Patient und darum, ob es für letzteren möglich ist, Interesse und Sympathie für den Patienten zu entwickeln.

Durch die Dominanz der modernen freudianisch abgeleiteten psychoanalytischen Schulrichtungen ist der Begriff vorwiegend durch die Beschreibung der hauptsächlichen intrapsychischen Konflikte und der Struktur des Patienten bestimmt 90 4. Die therapeutische Anwendung der Analytischen Psychologie rechnet sich durchaus zu den sog.

Eine genuin jungianische Psychodynamik hingegen setzt sich aus anderen Elementen zusammen, die nur teilweise in die Sprache psychoanalytischer Selbst- und Objektbeziehungstheorie überführt werden können: »Die Psychodynamik kommt nach den Grundsätzen der Analytischen Psychologie zustande durch die Psyche als selbstregulierendes System mit der Tendenz, sich zu entwickeln und ausgewogene Zustände von Unbewusstem und Bewusstem anzustreben« Vogel a, S.

Elternkomplexen 3. Die Achsen I Krankheiterleben, II Beziehung und V Psychische und psychosomatische Störungen sind davon nicht tangiert und können, da sie unabhängig voneinander formuliert werden, bei Bedarf hinzugefügt werden Arbeitskreis OPD Letzterer ist nach Ansicht Jungs allerdings weniger wichtig als in der physischen Medizin, weil die Diagnose nicht wie dort auch die Therapie indiziert; die Therapie muss meist unabhängig von der Diagnose gefunden werden« v.

Die sieben genannten psychodynamischen Faktoren sind nicht im Sinne eines Diagnostik-Leitfadens oder einer diagnostischen Checkliste misszuverstehen und haben im Denken und erst recht in der Gesprächsführung des Therapeuten in der Situation mit dem Patienten zunächst nichts verloren. Wird dies nicht berücksichtigt, drohen sie die Kernvariable analytisch-psychologisch ausgerichteter Therapie, die enge und authentische Verbindung zweier Menschen u Kap.

Erst im Nachhinein, in der Reflexion des Geschehens nach Beendigung der therapeutischen Sitzung, können die sieben Diagnosevariablen als Strukturierungshilfe dienen. Die Informationsquellen für die Formulierung der Psychodynamik sind: 1. In jungianischen Kreisen wird daher auch immer wieder die Unterscheidung des irischen Palliativmediziners Michael Kearney genutzt, der eine hippokratische und eine asklepische Medizin differenziert.

Ihr Ziel ist möglichst ein normales Funktionieren, so wie es vor Eintritt der Erkrankung war. Demgegenüber versucht die asklepische Medizin — und dazu rechnet sich in dieser Einteilung die klinische Anwendung der Analytischen Psychologie —, die Innenperspektive der Erkrankung einzunehmen, sich verwickeln zu lassen in die Dramatik der Erkrankung, von innen her ein Sinnverständnis und einen Heilungsansatz zu entwickeln, der aber Patient wie Therapeut verändert hinterlässt u Kap.

Die bereits genannte idiosynkratische Grundausrichtung der Analytischen Psychologie verbietet eine störungsspezifische Vorgehensweise ebenso wie die Erstellung operationalisierter Manuale, denn: »Wenn ich Herrn X behandle, so bin ich genötigt, die Methode X anzuwenden, und bei Frau Z die Methode Z. Die primäre Aufgabe des Therapeuten ist es zunächst, sich — in guter phänomenologischer Manier — ohne Vorannahmen, d.

Sodann ist die therapeutische Fähigkeit des Geschehenlassens zentral. Sobald wir versuchen, verhindern wir« Hillman , S. In jungianischen Kreisen wird hier oft das chinesisch-daoistische Ideal des wu-wei, des Handelns im Nicht-Handeln angeführt, das eben keine Passivität, sondern die Fähigkeit des Zuwartens und des Mitgehens mit dem Fluss der intrapsychischen Dynamik bedeutet und sich in der Fähigkeit ausdrückt, sich als Therapeut zurückzuhalten und z.

Momente eines gemeinsamen Schweigens auszuhalten. Die dargestellten therapeutischen Methoden gelten als »Handwerksregeln«, die je nach Patient angewandt, verworfen, modifiziert oder neu erfunden werden müssen. Es kann behauptet werden, dass einige der jungianischen und der freudianischen klinischen Konzepte problemlos ineinander überführbar sind, einige sich ergänzen und einige — menschenbildbedingt — auch weitgehend unversöhnlich nebeneinanderstehen.

Die Analytische Psychologie hat jedoch auch in ihrer therapeutischen Anwendung als konstituierendes Element die Wertschätzung des Symbolischen. Darin wird v. Die grundlegende Haltung ist dabei, dass nicht nur das psychische Leben, sondern alles in der Welt Geschehende auch sinnhaft zu interpretieren ist, und dass es eben darum geht, den verborgenen Sinn — etwa auch einer psychischen oder körperlichen Symptomatik — zu extrahieren: »It is necessary to be ready for almost anything to become an image representing, in therapy, in earlier events, experiences or attitudes to others and to the patient himself; and to be ready to bring out the symbolic potential in such images«, so die Londoner Jungianerin Judith Hubbrack , S.

Herrmann Hesse, der sowohl bei dem Jung-Schüler Josef Bernhard Lang als auch bei Jung selbst therapeutische Sitzungen aufsuchte Hesse a , beschreibt den Gedanken der symbolisierenden Einstellung in seinem Märchen »Iris« in unübertroffener Weise: »Jede Erscheinung auf Erden ist ein Gleichnis, und jedes Gleichnis ist ein offenes Tor, durch welches die Seele, wenn sie bereit ist, in das Innere der Welt zu gehen vermag, wo du und ich und Tag und Nacht alles eines sind« Hesse , S.

Im Gegensatz zur klassischen Psychoanalyse, nach der Symbole immer als Weg der unbewussten Verarbeitung, etwas vor dem Bewusstsein zu verstecken, gesehen werden, sieht Jung im Symbol das bestmögliche Abbild einer inneren Realität und Wahrheit. Brumlik nennt diesen Unterschied treffend die Unterscheidung von »Zensur- und Artikulationsmodell« , S.

Die Analytische Psychologie begibt sich wieder einmal eindeutig in die Tradition der Romantik, wenn sie das Symbol beschreibt als immer »etwas Vordergründiges, das auf etwas Hintergründiges verweist« Kast , S. Symbole werden in der Analytischen Psychologie nicht irgendwie aufgedeckt oder entschlüsselt. Wie Freud geht auch Jung von einem bewussten und unbewussten Teil der menschlichen Psyche aus.

Beide sind sich auch darin einig, dass psychische Störungen in der Kindheit ihren Ursprung haben. Es gibt noch einige weitere Gemeinsamkeiten, auf die in diesem Rahmen nicht näher eingegangen werden kann. Interessanter sind die Unterschiede zwischen diesen Psychologien. Freud reduziert den Mensch auf seine Grundbedürfnisse, in diesem Fall Sexualität und Selbstwertgefühl. Jung und seine Psychologie verstehen den Mensch als ein komplexes, facettenreiches Wesen, bei dem mehr als Sexualität und Selbstwert für psychische Prozesse von Bedeutung sind.

Hinzukommt, dass die Individualität eines jeden Menschen respektiert wird. Während die Psychoanalyse von den eher negativ besetzten Teilen der Psyche ausgeht, z. Ängste, Komplexe etc, setzt die Analytische Psychologie beim Positiven im Menschen an. Auch der Therapieprozess ist ein ganz anderer. Das Verhältnis zwischen Therapeut und Patient ist eher distanziert.

Bei Jung gibt es ebenso die Couch. Hier ist es jedoch so, dass der Therapeut im Blickfeld des Patienten sitzt und mit ihm gemeinsam in den Sitzungen wächst. Die Beziehung zwischen Analytiker und Patient ist eher persönlicher Natur. Freud sah im Unbewussten lediglich das persönliche Unbewusste. Jung teilte das Unbewusste in persönliches und kollektives. Jung übernimmt ebenfalls den Begriff Libido, der Energie des Sexualtriebs.

Die Bedeutung dieses Begriffs wird durch Jung erweitert, Libido als gesamte psychische Energie. Dorsch , S. Die Therapie aus dem Bereich der Analytischen Psychologie ist eine anerkannte Form der Psychotherapie, jedoch ohne Wirkungsnachweis. Sie ist, wie andere Therapien auch, einzeln oder in der Gruppe möglich. Gegenstand einer solchen Therapie sind neben psychischen Störungen, wie Depssion, Angstzustände, Schizophrenie, Arbeitsstörung, sexuelle Störung und vielen anderen Krankheitsbildern, auch gesunde Menschen.

Ihnen geht es vorrangig um die im Zitat angeklungene Selbstfindung. Ziel ist es auf schöpferische Art und Weise eine gesunde Entwicklung des Menschen, ferner der Gesellschaft und der Kultur, voranzutreiben. Innerhalb der Therapie setzt sich der Patient mit sich Selbst, seinen positiven und negativen Eigenschaften, auseinander.

Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Individualpsychologie e. Jedoch wird den wenigsten bekannt sein, dass diese Begriffe aus der Psychologie des Schweizer Psychiaters und Psychologen Carl Gustav Jung stammen. Er war der Jüngste unter den Vorkämpfern der neuen dynamischen Psychiatrie, die von Pierre Janet gegründet wurde, und gilt neben Sigmund Freud und Alfred Adler als Begründer der Tiefenpsychologie.

Dabei ist dies die zusammenfassende Bezeichnung für psychologische und psychotherapeutische Ansätze, die unbewussten - im Volksmund häufig auch 'unterbewussten' - seelischen Vorgängen einen zentralen Stellenwert für die Erklärung menschlichen Verhaltens und Erlebens beimessen.