Selbstquälerei psychologie

Der Neurotiker glaubt, dass die ganze Welt, die Menschen, das Gewitter, alle Unglücksfälle, alle Männer, alle Frauen nur die einzige Tendenz haben, nämlich ihn zu bedrohen. Auch in der Melancholie finden sich verwandte Züge. Die Bedeutung des Wortes Selbstkennzeichnung ist vergleichbar mit Selbstbeschuldigung, Selbstquälerei, Selbstkritik, Selbstkritik und anderen Handlungen, die darauf abzielen, die negativen Seiten einer Person hervorzuheben und moralisches Leiden unter dem Deckmantel von Reue oder Schuld zu verursachen.

Dies ist eine Möglichkeit, mit unerträglichen Gefühlen in Bezug auf Ihre Persönlichkeit und ihre schwachen oder inakzeptablen Seiten umzugehen häufig wird ein solches Verhalten durch Lob oder Ermutigung von anderen motiviert , die durch Selbstbeschädigung leichter zu erlangen sind als durch echte Handlungen und Erfolge.

Verlorene Konkurrenz, die Entdeckung von stärkeren und erfolgreicheren Menschen in der kindlichen Psyche wird schlecht toleriert und ist praktisch unmöglich zu akzeptieren. Dies führt zu ähnlichem Verhalten, das hilft, das Fiasko zu überleben, und das Lebensprinzip sieht wie eine Auswahl von maximalistischen Konzepten aus, bei denen eine Person kein Recht auf Verlust oder Schwäche hat.

Eine idealistische Wahrnehmung der Welt versetzt die Menschen bei jedem Misserfolg oder bei einer Wendung von Ereignissen, die nicht in die erwartete Richtung weisen, in Verzweiflung. Hohe Ansprüche und die Unfähigkeit, das Schöne in Unzulänglichkeiten zu erkennen, erlauben es nicht, die Gegenwart kennenzulernen, die Dinge zu lernen, die an sich selbst ärgerlich sind, und sich als Ganzes zu akzeptieren.

Die Psychologie definiert Selbstkennzeichnung als Hyperkritik an der eigenen Adresse, die durchgeführt wird, um Zustimmung, Unterstützung oder Rechtfertigung für das eigene Handeln zu erlangen. Der Mechanismus basiert auf der Tatsache, dass Wut, die auf sich selbst gerichtet ist, von anderen als aufrichtige Reue und als Tendenz zur Besserung wahrgenommen wird. Der Fehler ist jedoch, dass auffällige Reue als wahr empfunden wird.

Während eines Einblicks wringt ein Mensch seine Hände nicht malerisch aus, tränkt sich nicht mit Schmutz, sondern erkennt die Tatsache des Begehens einer Straftat an, zieht keine lauten Schlussfolgerungen und beginnt, die Situation zu korrigieren, während er die positiven Merkmale erkennt, die helfen, mit Mängeln umzugehen. Die Wahl einer solchen Art der Manipulation der eigenen Wahrnehmung der Welt und der sozialen Einstellung kann in der Kindheit getroffen werden, in der es keinen Platz für die Bildung von Liebesgefühlen und Selbstsorge gab.

Die in der elterlichen Familie gemachten Erfahrungen zeigen, wie man mit ihm umgeht, und wenn die Eltern moralischen Druck oder körperliche Schläge arrangiert haben, dann lebt die Person in Zukunft nach diesem Modell und behandelt sich und andere auf ähnliche Weise. Wir wissen aus der Forschung, dass die Konfrontation mit dem Suizid eines anderen Menschen unser eigenes Suizidrisiko erhöhen kann.

In der Postvention sprechen wir das Risiko an. Wenn wir Menschen unterstützen, bieten wir Einsichten und Hilfen, um dieses Risiko zu senken. Postvention, wenn Sie evidenzbasiert ist und von ausgebildeten Menschen angeboten wird, kann also Prävention werden. Die Werke von Goethe und Mozart kommen noch oft zur Sprache in der Suizidologie; wenn wir vom Werther-Effekt sprechen, beschreiben wir eine Situation, die das Suizidrisiko erhöht.

Mit dem Papageno- Effekt dagegen beschreiben wir eine Situation, die das Suizidrisiko senken kann. Im Buch wird der Leser sehr persönlich hineingezogen in die Geschichte. Und der Suizid des jungen Werther wird präsentiert als eine akzeptable Lösung, um sein Leiden zu stoppen. Nachdem damals das Buch ein Bestseller wurde, identifizierten sich viele Menschen — vor allem junge Männer — mit Werther und nahmen sich das Leben, oft sogar mit der gleichen Methode und in ähnlicher Bekleidung.

Papageno bekommt aber rechtzeitig Unterstützung von Freunden und Menschen, die ihm Mut machen und findet einen Weg zurück ins Leben. Das ist wichtig, die Realität ist, dass Suizid keine Möglichkeit bietet, Leiden zu lindern, Suizid nimmt jede Chance auf Linderung, Verbesserung und Hoffnung. Das ist so ähnlich wie eine Endorphinausschüttung nach dem Bungee jumping, nur billiger.

Also Sport als Rausch. Die Grenzen zwischen Lust und Qual verschwimmen; der Weg zur Sucht ist nicht weit und der ist dann gefährlich. Die Belohnung für die Qual selbst zu erleben ist eine Sache, als Bewunderer am Rand zu stehen, eine andere. Aber auch für die begeisterten Anhänger, die sich an den Schmerzen der Sportler erfreuen, hat Volker Caysa eine Erklärung: Unsere christlich geprägte Kultur hat natürlich doch im Grunde das Ideal, dass wir den höher schätzen, der sich quält, als den, der sich amüsiert und das wirkt im Sport sehr massiv dieses Ideal.

Also wird der bewundert, der hart gegen sich selbst ist, ohne zu fragen, weshalb er das tut. Wie kommt es, dass Menschen bereit sind, im Grunde alles zu tun, um bei den Gruppen, die ihnen wichtig sind, dazuzugehören? Nicht nur beim Militär tun junge Männer alles, um nicht als "Feigling" oder "Kameradenschwein" ausgegrenzt zu werden. Auch in Politik und Geschäftswelt kommen nicht nur Spitzenleistungen, sondern auch schockierende Fehlleistungen durch "Group-Think" zustande, also letztlich dadurch, dass selbst reife, erwachsene Menschen im Positiven wie im Negativen beinahe alles mitmachen, um ihre Akzeptanz in der jeweiligen Gruppe nicht zu gefährden.

Die Erklärung hierfür dürfte sein, dass die Zugehörigkeit für Menschen in früheren Jahrtausenden eine Frage des Überlebens war. In der Zeit der Jäger und Sammler, dem weit überwiegenden Teil der Menschheitsgeschichte, hatten Menschen nicht die geringste Chance, als Einzelgänger zu überleben, geschweige denn, ihren Nachwuchs durchzubringen.

Auch Ackerbauern und Viehzüchter waren auf die Akzeptanz in ihrem Dorf oder Clan buchstäblich "alternativlos" angewiesen. Deshalb setzen uns schon die geringste Warnsignale unter massiven Stress und motivieren uns, alles zu tun, um seine Akzeptanz in der Gruppe zu sichern. Aufgrund dieses Erbes aus der Menschheitsgeschichte ist das Gefühl, nicht dazuzugehören und ausgegrenzt oder "gemobbt" zu werden, auch heute noch so belastend.

Wer es schafft, einem Menschen Mut zu machen, hilft ihm, über seine bisherigen Grenzen hinauszuwachsen. Wer es schafft, ein Unternehmen zu ermutigen, eröffnet ihm neue Perspektiven. Wem es gelingt, eine ermutigende Führungskultur aufzubauen, der verschafft seiner Firma einen kaum einholbaren Wettbewerbsvorteil. Das sind die Leitgedanken unseres Buches "Ermutigende Führung — Für eine Kultur des Wachstums" Schäffer-Poeschel Damit der geschäftliche Erfolg wächst, müssen die Menschen wachsen, die das Geschäft betreiben.

Dieses Buch zeigt, wie Sie dies aktiv fördern und herbei-führen können. Mehr über das Buch "Ermutigende Führung — Für eine Kultur des Wachstums". Wie entsteht Zugehörigkeit? Ein neugeborenes Kind gehört einfach kraft seiner Geburt zu der Gemeinschaft, in die es hineingeboren wurde: zu seinen Eltern, in früheren Zeiten zu seinem Clan und seinem Stamm, heute zu seiner Familie, seiner Gemeinde, seiner Nation und der Weltgemeinschaft.

Subjektiv sieht das aber oft völlig anders aus. Schon kleine Kinder können das Gefühl haben, nicht dazuzugehören, sondern irgendwie unerwünscht und ausgeschlossen zu sein — sowohl in der Familie als auch im Kindergarten und auf dem Spielplatz. Das löst beinahe zwangsläufig die Angst aus: Irgendetwas scheint mit mir nicht in Ordnung zu sein, sodass ich nicht genauso akzeptiert bin und nicht dazu gehöre wie die anderen.

So, wie ich bin, bin ich offensichtlich nicht gut genug. Dieses Gefühl, nicht gut genug zu sein, nannte Adler das Minderwertigkeitsgefühl. Wichtig ist, zu sehen, dass es sich hier "nur" um ein Gefühl handelt, nicht um eine objektive Tatsache. Es geht also gerade nicht um tatsächliche Minderwertigkeit, sondern allein darum, dass sich jemand minderwertig fühlt. Da das Bedürfnis nach Zugehörigkeit aber tief in allen Menschen steckt, ergibt sich aus dem Gefühl, nicht akzeptiert zu sein, die drängende Frage: Was muss ich tun, um doch dazuzugehören?

Wie machen es denn die anderen, dass sie dies scheinbar so mühelos schaffen und so selbstverständlich dazugehören? Gleich ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, wir Menschen versuchen alles, um einen Platz in der Gemeinschaft zu erringen, an dem sie anerkannt und als Mitglieder der Gruppe respektiert sind. Um das zu erreichen, bemühen sie sich, ihre vermeintliche Minderwertigkeit zu kompensieren, indem sie sie sich besonders anstrengen und es besonders gut machen wollen: Kinder versuchen zum Beispiel, besonders brav zu sein, Schüler, besonders gute Leistungen zu erbringen, damit die Eltern mit ihnen zufrieden sind und sie lieb haben.

Dieses aktive Bemühen behalten sie so lange bei, wie sie sich zutrauen , ihr Ziel der Zugehörigkeit durch Anstrengung oder Wohlverhalten erreichen zu können. Wenn sie der Mut verlässt , geben sie zwar nicht das Ziel der Zugehörigkeit auf, ändern aber die Strategie, wie sie es zu erreichen versuchen. Beispielsweise stören sie dann, um Aufmerksamkeit zu erzwingen, legen sich quer, um beachtet zu werden, oder verwickeln ihre Umgebung in Machtkämpfe , so nach dem Motto: "Lieber eine Tracht Prügel als überhaupt keine menschliche Zuwendung!

Je ausgeprägter die Minderwertigkeitsgefühle, desto heftiger sind nach Adler die Anstrengungen, sie zu kompensieren. Auf diese Weise kompensierte er nicht nur seine, wie Adler dies nannte, "Organminderwertigkeit" und lernte, normal zu sprechen. Vielmehr entwickelte er sich "vor lauter Überkompensation" zu einem gefragten Redner.

Tatsächlich lassen sich in den Biographien vieler berühmter Persönlichkeiten Beispiele für erfolgreiche Überkompensation finden. Über Kompensation bezieht sich keineswegs nur auf organische Schwächen. Beispielsweise findet man unter erfolgreichen Verkäufern viele, die aus einfachen, wenn nicht ärmlichen Verhältnissen kommen.

Ihre Entschlossenheit, sich mit harter Arbeit nach oben zu arbeiten, verleiht ihnen mehr Energie als sie die Mehrzahl derjenigen besitzen, die in behüteten Verhältnissen und relativem Wohlstand aufgewachsen sind. Die Kompensation und Überkompensation empfundener Minderwertigkeit ist also vom Grundsatz her nichts Neurotisches oder gar Krankhaftes. Nach Adler ist es vielmehr ein Grundmuster unseres Seelenlebens und eine wichtige Energiequelle unseres Handelns — was auch aus evolutionsbiologischer Sicht schlüssig ist, weil die Fähigkeit des Organismus', wahrgenommene Schwächen auszugleichen, einen erheblichen Nutzen für die "Fitness" des Einzelnen sowie für seine Chance hat, fortpflanzungsfähige Nachkommen aufzuziehen.

Auch das "Streben nach Vollkommenheit", das Adler als zentrales Motiv des Menschen sieht, speist sich letztlich aus der Einsicht in die eigene Unvollkommenheit. Wenn wir heute Professionalität als sehr anstrebenswert ansehen, ist oft etwas ganz Ähnliches gemeint. Zum Problem werden Minderwertigkeitsgefühle zum einen dann, wenn sie so erdrückend sind, dass Menschen an sich selbst verzweifeln, weil sie ständig von dem Gefühl bzw.

Dann können sich die Minderwertigkeits gefühle , die jeder Mensch von Zeit zu Zeit empfindet, zu einen "Minderwertigkeits komplex " auswachsen. Zum Problem werden sie zweitens dann, wenn die überkompensatorische Energie zur Belastung für die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Zusammenarbeit wird — was etwa dann der Fall ist, wenn Führungskräfte tief in ihrem Inneren glauben, dass sie nur dann etwas wert sind, wenn sie absolut fehlerlos und perfekt sind, und daher keine Fehler zuzugeben bereit sind.

Adler nannte dies das "Streben nach Geltung". Das ist schon schwieriger zu bewerkstelligen als die schiere Zugehörigkeit, denn hier können Konkurrenzsituationen und Konflikte auftreten — und in der Realität tun sie es auch häufig. Zwar ist es glücklicherweise nicht so, dass alle Menschen dieselben Vorstellungen davon haben, was ein "guter und angemessener Platz" für sie ist.

Trotzdem können sie sich ins Gehege kommen — etwa dann, wenn zwei oder mehr Teammitglieder die Führungsrolle anstreben. Doch vom Grundsatz her kann für alle Mitglieder eines Teams erreicht werden, dass jedes einen Platz findet, mit dem es zufrieden ist oder doch zumindest leben kann. Bis es jedoch soweit ist, ist ein Stück Sortierarbeit zu leisten. In dieser Findungsphase geht es nicht nur um Zugehörigkeit, sondern auch um Geltung und Status.

Am ehesten gelingt es, ein Teamklima zu schaffen, in dem jeder seine akzeptierte Rolle und Position hat, wenn die Gruppe in einem Geist geführt wird, den der Adler-Schüler Rudolf Dreikurs — als "soziale Gleichwertigkeit" bezeichnet hat. Gleichwertigkeit ist weder gleichzusetzen mit Gleichheit noch mit Gleichberechtigung. Die Mitarbeiter in einem Unternehmen sind weder gleich — sie haben unterschiedliche Funktionen, Fähigkeiten und Gehälter — noch gleichberechtigt: Sie haben auch unterschiedliche Verantwortungsgebiete und Entscheidungsbefugnisse.

Aber sie sind trotzdem gleich wertig in dem Sinne, dass keiner als Mensch wertvoller ist als die anderen, und dementsprechend auch keiner weniger wert ist. Jeder hat das Recht, mit Respekt und Achtung behandelt zu werden; jeder hat Mitverantwortung für den gemeinsamen Erfolg; niemand hat das Recht oder sollte das Recht haben, sich über andere zu stellen, sie abzuwerten oder sich als etwas Besseres zu fühlen.

Das ist keineswegs nur eine moralische Forderung, es ist ebenso sehr eine praktische. Denn nur wenn ein Team vom Geist der Gleichwertigkeit geprägt ist, kann sich dort ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln, in dem alle Teammitglieder ihren bestmöglichen Beitrag zum Team- oder Unternehmenserfolg leisten können und wollen.

Die klassische Individualpsychologie hat zwar das Konfliktpotenzial erkannt, das sich aus dem Geltungsstreben und daraus resultierenden Konkurrenzsituationen ergibt, sie neigte jedoch dazu, dieses Streben nach Macht und Geltung als Ausfluss von Minderwertigkeitsgefühlen und deren Überkompensation anzusehen.

Dass nicht nur das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, sondern auch das Streben nach einem guten Platz in der Gruppe zur Natur des Menschen gehört, ist denn auch weniger ein individualpsychologisches Argument denn ein soziobiologisches: Welche Rangposition ein Mensch in seinem sozialen System einnimmt, dürfte zumindest in früheren Jahrtausenden erheblichen Einfluss auf seine Chancen gehabt haben, seinen Nachwuchs durchzubringen.

Also sollten im Laufe der Zeit die Gene an Verbreitung gewonnen haben, die ihre Träger dazu brachten, sich so zu verhalten, dass sie einen guten Platz in ihrer Gruppe einnahmen. Wenn das richtig ist, ist es auch für die Theorie der Individualpsychologie von Bedeutung. Nicht das Streben nach einem anerkannten Platz selbst wäre dann Ausdruck von Minderwertigkeitsgefühlen, es wäre allenfalls die Art, wie ein Mensch dieses Ziel verfolgt.

Eine Selbstdarstellung beispielsweise, die realistisch-positiv ist, den eigenen Beitrag zum Erfolg der Gruppe herausstellt und von Respekt für die anderen Teammitglieder geprägt ist, wäre dann kaum als unangemessen zu bezeichnen. Eine wichtige Führungsaufgabe wäre in diesem Fall, diesem Bedürfnis nach Ansehen und Geltung Raum zu geben, es aber in förderliche Bahnen zu lenken und zu verhindern, dass es Formen annimmt, die andere Teilnehmer entwerten oder dem Teamgeist auf andere Weise schaden.

Im beruflichen Umfeld ist die Frage nach der eigenen Position und dem eigenen Ansehen sigar noch wichtiger, weil dort die Zugehörigkeit keine bedingungslose ist, wie in der Familie, sondern nur eine bedingte. Im Gegensatz zu Familie, Clan und Nation sind Unternehmen ja keine Lebensgemeinschaft, in die man hineingeboren wird und dann zeitlebens angehört, sondern zeitlich befristete Zweckgemeinschaften, in denen Arbeitsleistung gegen Vergütung getauscht wird.

Die Zugehörigkeit ist hier, wenigstens vom Prinzip her, an die Bedingung geknüpft, dass für beide Seiten das Verhältnis von Leistung und Gegenleistung stimmt: Unternehmen können sich von Mitarbeitern trennen, mit deren Leistung sie nicht zufrieden sind, und Mitarbeiter können sich einen anderen Job suchen , wenn sie woanders mehr Geld bekommen, bessere Arbeitsbedingungen oder auch eine reizvollere Aufgabe finden.

Dazu kommt, dass unterschiedliche Positionen recht unterschiedlich vergütet sind. Es liegt daher auf der Hand, dass Menschen sich unter solchen Bedingungen nicht nur zugehörig fühlen, sondern eine möglichst gute Position einnehmen wollen. Dass wir Menschen soziale Wesen sind, spiegelt sich auch in den Motiven unseres Handelns wider: Sie haben in aller Regel einen sozialen Bezug.

Sehr häufig ist unser Handeln eine Reaktion auf die soziale Situation , in der wir uns befinden, und zugleich eine Stellungnahme dazu, und ein Versuch, die Situation in unserem Sinne zu beeinflussen. Im Gegensatz zu den meisten psychologischen Schulen und Theorien erklärt die Individualpsychologie menschliches Handeln nicht kausal "Er hat das getan, weil …" , sondern final "Er hat das getan, um zu …".

Weil sie den Menschen als ein zielgerichtet handelndes, Entscheidungen treffendes Wesen sieht, interessiert sie nicht so sehr für die Ursachen des Handelns, sondern für dessen Sinn und Zweck. Deshalb fragt die Individualpsychologie nicht etwa, warum sich jemand ein einer bestimmten Weise verhalten hat, sondern zu welchem Zweck : Welche Absichten und Ziele verfolgte er damit?

Diese veränderte Blickrichtung hat erhebliche Auswirkungen sowohl für die psychologische Theoriebildung als auch für das Menschenbild: Die Frage nach dem "Warum" führt in die Vergangenheit; man sucht die Ursachen des heutigen Verhaltens dann beispielsweise in frühkindlichen Prägungen oder traumatischen Ereignissen und verliert sich dabei leicht in Spekulationen.

Diese Betrachtungsweise macht den Mensch zum Objekt, das hauptsächlich von seiner Vorgeschichte bestimmt ist und kaum anders handeln kann als es seiner biographischen Prägung entspricht.